Was kann eine Traumambulanz leisten? Was kann der WEISSE RING leisten? Diese Fragen stellen sich Dr. med. Nikola Schoofs und Frau Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Kathlen Priebe in ihrer täglichen Arbeit. Zur Beantwortung vereinbarten sie einen Termin mit dem WEISSEN RING Berlin. Frau Schoofs ist Oberärztin und Leiterin der Traumambulanz Berlin am St Hedwig Krankenhaus in Berlin-Mitte. Frau Priebe ist dort die Leitende Psychologin und Traumatherapeutische Leitung.
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Rolf Schmachtenberg und Norbert Baehr informierten sie im Gespräch am 1. Juli im Landesbüro des WEISSEN RING über die Arbeitsweise und die Hilfsmöglichkeiten des WEISSEN RINGS. Bekannt war den beiden Kolleginnen bislang eigentlich nur der Hilfescheck für eine anwaltliche Erstberatung. Dass die Soforthilfen oder auch die flexibel einsetzbaren finanziellen Hilfen im Einzelfall bei Bedürftigkeit sehr hilfreich sein können, leuchtete unmittelbar ein.
Zur Arbeit der Traumaambulanz berichteten sie, dass mittlerweile die Beratungskapazitäten und das Aufkommen an Anfragen gut zueinander passen. Die Wartezeiten liegen deutlich unter 14 Tagen. Monatlich werden ca. 60 Fälle aufgenommen und die Kapazitäten im Durchschnitt zu 90 % ausgelastet. Sofern erforderlich werden Sprachmittler zu den Gesprächen hinzugezogen. Ärgerlich für die Arbeit und den Ablauf sind die vielen kurzfristigen Absagen. Die Finanzierung ganz überwiegend durch das LAGeSo und für ca. 10 % der Fälle aus Brandenburg durch die dortigen Versorgungsämter funktioniert gut. In einigen wenigen Fällen werden die Kosten auch von den Berufsgenossenschaften übernommen. Die Zusammenarbeit mit den beiden anderen Traumaambulanzen ist sehr kollegial und gut.
Fachlich sei es ein großer Vorteil, dass in den Traumambulanzen eine Behandlung ohne Diagnose aufgenommen werden kann. Damit bestände eine echte Chance, eine dauerhafte Erkrankung frühzeitig zu verhindern und damit eine bleibende Diagnose zu vermeiden. Dies sei ein großer Unterschied zum allgemeinen Gesundheitswesen. Denn da gilt: Ohne Diagnose (also Zuschreibung einer Krankheit) keine Behandlung.
Die Anregung, die Betroffenen über die Möglichkeit eines formlosen Antrags (vorsorglich) auf das gesamte Leistungspaket der Opferentschädigung zu informieren, griffen Frau Schoofs und Frau Priebe auf. Das Landesbüro wird ihnen dazu ein Paket mit den Flyern des WEISSEN RINGS zuschicken.
Vereinbart wurde, dass die Traumaambulanz und der WEISSE RING Berlin im Herbst eine Informationsveranstaltung zur Arbeit der Traumaambulanzen für die ehrenamtlichen Opferberaterinnen und -berater des WEISSEN RINGS organisieren werden. Womöglich bei der Traumaambulanz, die zum 1. September neue Räume beziehen wird, worauf sich Frau Schoofs und Frau Priebe sehr freuen.
Hinweis: In Berlin gibt es zwei Traumaambulanzen für Erwachsene, die der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus (https://www.alexianer-berlin-hedwigkliniken.de/st-hedwig-krankenhaus/leistungen/ambulante-behandlung/traumaambulanz-berlin) und die der Friedrich von Bodelschwingh-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (https://www.bodelschwingh-klinik.de/einrichtungen-und-angebote/traumaambulanz.html) sowie eine für Kinder und Jugendliche an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Charité (https://kinderschutz.charite.de/traumaambulanz/)